Da war doch noch was...

Ja, nach Pfingsten, da gibt es noch so einen kirchlichen Feiertag. Aber er gerät mehr und mehr in Vergessenheit, wird kaum noch als besonderer Festtag der Kirche und des Glaubens wahrgenommen. Dazu ist er wohl einfach zu sperrig. Schon der Name ist so sperrig: Trinitatis oder auf Deutsch: Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit. Auch in unseren beiden Kirchen findet sich kein trinitarisches Symbol. Gott der Vater, Gott der Sohn, Gott der Heilige Geist sind abgebildet, die Dreieinigkeit nicht. Dabei beginnen wir jeden Gottesdienst mit der Anrufung des Dreieinigen Gottes: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und im Glaubensbekenntnis bekennen wir uns zu dem einen Gott als dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Die Lehre von der Trinität finden wir zwar nicht in der Bibel, aber sie stellt auch keine Willkür von irgendwelchen alten Theologen dar. Die Bibel selber redet von Gott als dem Vater Jesu Christi und als dem Schöpfer, von Gott, der in Jesus Mensch wurde, also als Sohn auf die Erde kam, und von Gott als bewegende Kraft, die wir gerade an Pfingsten gefeiert haben, die Menschen erfüllen und eben begeistern kann. Von daher ist die Theologie genötigt, darüber nachzudenken, wie das zusammengeht und zusammenwirkt: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Von alters her bediente man sich bildhafter Vorstellungen, um das auszudrücken, was gedanklich so schwer zu fassen ist. Ein Kirchenvater, Basilius von Caesarea, versuchte das mit dem Zusammenspiel von Sonne, Sonnenlicht und Farben zu erklären. Insofern passt also unser Bild auf der Titelseite gut zu Trinitatis. Wir sehen da das Licht, aber wir sehen nicht die Quelle des Lichts. Das Licht lässt die Farben entstehen, wenn es auf Materie trifft, ist aber selber keine Materie. So sehen wir auch Gott nicht, sind aber mit seinem Wirken konfrontiert, das sich auch im irdischen Geschehen manifestiert. Hier wird also die Schöpfung selber zum Gleichnis.

Das bekannteste Symbol der Dreieinigkeit ist aber wohl das Dreieck. Das haben die Christen von der älteren Religion der Manichäer übernommen und durch das Einfügen des Auge Gottes christlich umgedeutet.

Man kann sich vor diesem Auge, das alles sieht, natürlich ein wenig fürchten. Aber man kann es auch als Ausdruck dafür verstehen, dass Gott uns ansieht, wir also Ansehen bei ihm haben. Dass er in seiner Liebe danach sieht, wie es uns geht. In diesen Zeiten der Corona-Krise ist das ein tröstlicher Gedanke. Gott, so lesen wir in der Bibel (1. Johannes 4,16), ist ja Liebe. Und das bedeutet, dass da ein Liebender ist, ein Geliebter und eben die Liebe zwischen beiden. So hat der Kirchenvater Augustin die Dreieinigkeit zu fassen versucht.

Ich bin froh und dankbar, dass unser Gott kein für sich über den Sternen thronender, für sich seiender und nur in sich ruhender und für uns unerreichbarer Gott ist. Weil er in sich Vater, Sohn und Geist ist, gehört es zu seinem Wesen, in Beziehung treten zu können, in Beziehung zu sein – eben auch in Beziehung zu uns, seinen Geschöpfen. Und weil er Liebe ist, hat er als Vater nicht nur die Welt entstehen lassen, sondern ist auch als Sohn in die Welt eingegangen und wirkt noch heute durch seinen Geist in dieser Welt, unter uns und in uns. Wir beten nicht zu einem einsamen König auf seinem Himmelsthron, sondern zum liebenden, lebendigen, und Beziehung zu seinem Geschöpf realisierenden Dreieinen Gott. Seine Liebe strahlt nach außen, wie auf dem Titelbild die Strahlen der Sonne auf die Erde. Und wie die Sonnenstrahlen leuchten und die Erde wärmen, so werden wir von der Liebe Gottes erleuchtet und erwärmt. Es mag sein, dass sich manchmal Wolken vor die Sonne schieben. Aber sie scheint doch und wärmt uns. Und keine Wolke ist dunkel und groß genug, um das zu verhindern.

Ihr Pfarrer