Klimawandel und Lebenswandel

Vor gut 40 Jahren, im Februar 1979, fand die erste Weltklimakonferenz in Genf statt. Schon damals warnten Experten vor einem massiven Anstieg der Kohlendioxyd-Konzentration in der Atmosphäre. Sie sagten eine Veränderung des Klimas durch den Menschen auf längere Sicht voraus und machten vor allem die Ausrichtung auf fossile Brennstoffe als wichtigster Energiequelle und die fortgesetzte Waldvernichtung dafür verantwortlich.

Was hat sich seitdem getan? Das Ergebnis ist ernüchternd, ja, es tut weh. Denn der Klimawandel ist voll im Gang, die Waldvernichtung geht in großem Stil weiter. Seit 1970 haben sich die weltweiten energiebedingten Kohlendioxidemissionen mehr als verdoppelt. Seit dem Jahr 2013 steigen die Emissionen zwar deutlich langsamer an, doch sie steigen weiter an.

In Brasilien haben wir einen Präsidenten, der den Amazonas-Urwald verstärkt wirtschaftlich nutzen will, was Abholzung bedeutet. Die USA sind gleich ganz aus dem Weltklimaabkommen ausgestiegen. Und mit der Energiewende in Deutschland ist es auch nicht weit her.

Und noch immer wollen uns Politiker und Wirtschaftsvertreter weismachen, dass man durch den technischen Fortschritt, das Problem in den Griff bekommt; dass es nicht nötig ist, unseren Lebensstil zu ändern, den Konsum einzuschränken und manchmal einfach auf etwas zu verzichten.

Natürlich: Viele hören das gerne. Dann kann man weiter durch die ganze Welt fliegen, die Kinder die 500 Meter zur Bushaltestelle fahren und kaufen, worauf man gerade Lust hat.

Nur: diese Rechnung geht nicht auf. Natürlich hat die Technik enorme Fortschritte gemacht. Die Motoren heute sind effizienter und verbrauchen weniger. Doch dafür werden unsere Autos immer schwerer, haben wir immer mehr Autos und fahren immer mehr damit. Was der technische Fortschritt eingebracht hat, wird also durch unser Verhalten wieder zunichte gemacht. Und so ist es auf vielen Gebieten.

Der Klimawandel ist Resultat unseres Lebenswandels. Und wenn unser Lebenswandel sich nicht wandelt, dann wandelt sich eben das Klima. Und es muss uns bewusst sein, dass wir selber noch relativ wenig vom Klimawandel mitbekommen. In anderen Ländern müssen Menschen schon ihre Heimat verlassen, weil der Meeresspiegel ansteigt, Anbauflächen zu Wüste werden oder die zunehmenden Naturkatastrophen ihre Lebensgrundlagen vernichten.

Schon vor 10 Jahren hat die Evangelische Kirche in Deutschland deswegen in einer Denkschrift zum Klimawandel ganz klar und unmissverständlich gesagt: „Der Klimawandel fordert uns als Christen in ganz besonderem Maße heraus, zu einer neuen Lebenshaltung umzukehren.“

Umkehr ist also angesagt, ganz konkreter „Lebenswandel“. Schaffen wir das? Sind wir dazu überhaupt bereit? Ich habe den Eindruck, dass viele für den Klimaschutz sind – solange es nicht ihren persönlichen Lebenswandel berührt. Es ist leichter, eine Petition für den Erhalt des Amazonas zu unterschreiben, als auf Flugreisen zu verzichten oder das neueste Smartphone nicht zu kaufen.

Doch Klimawandel und Lebenswandel hängen zusammen. Ohne Umkehr vom offensichtlich falschen Weg wird sich nichts bessern. Jeder von uns ist hier gefragt.

In einem neuen Lied heißt es:

Die Thermometer steigen, wir selbst sind meistens lau.
Wir flüchten uns in Schweigen, doch wissen wir genau,
dass Gott uns aufgetragen hat, die Schöpfung zu bewahren -
wo schreiten wir zur Tat?

Ihr Pfarrer Michael Menzinger