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„Der kleine Herrgott von Beerbach“     der kleine Herrgott

 

so wurde in vergangenen Zeiten der Jesusknabe in der Mitte des Altares von St. Egidien genannt. Nackt sitzt er auf dem Arm seiner Mutter Maria, doch er schaut nicht zu ihr auf, sondern hin zum Betrachter und streckt ihm die Hand hin.

Es ist ein weihnachtliches Bild, zeigt es doch Gott, der zu seinen Menschen kommt und ihnen die Hand reicht. Ganz klein macht sich der große Gott und wird verletzlich und wird ganz menschlich – uns zuliebe. Am „kleinen Herrgott von Beerbach“ sieht man, was ein altes Weihnachtslied so ausdrückt: „Siehe, siehe, meine Seele, wie dein Heiland kommt zu dir, brennt in Liebe für und für.“ (EG 34,2)

In früheren Zeiten gab es den Brauch, dem „kleinen Herrgott von Beerbach“ ein Mäntelchen zu stiften, damit er, nackt wie er ist, in der kalten Kirche nicht frieren muss. War ein Kind in der Familie krank, bat man um Gottes Beistand und gelobte, für den Fall der Genesung, dem nackten Jesus ein Kleidungsstück zu schenken. Wurde das Kind gesund, brachte man dem „kleinen Herrgott von Beerbach“ voller Freude und Dankbarkeit ein buntes Kittelchen.

Dieser Brauch, der wohl schon aus der vorreformatorischen Zeit stammte, fand erst Mitte des 19. Jahrhunderts sein Ende. Damals wies Pfarrer Johann Karl Konrad Heller die Gemeindeglieder auf die vielen armen Kinder in der Gemeinde hin, die solche wärmenden Kleidungsstücke nötiger hätten als die Jesusfigur.

Das ist ein durchaus weihnachtlicher Gedanke. Gott schenkt uns seinen Sohn, uns zugute, uns zum Heil. Aus Dankbarkeit und Freude darüber beschenken wir uns gegenseitig.

So ist es Brauch bis heute geblieben. Und die Geschichte vom „kleinen Herrgott von Beerbach“ mag uns daran erinnern, dass unser Dankopfer am besten bei denen angebracht ist, die Hilfe brauchen. Wir haben ja doch meist alles, was wir zum Leben brauchen. Und manchmal fällt es ja schon schwer ein passendes Geschenk zu finden. Da ist es sicher ganz im Sinne des göttlichen Kindes, wenn wir unsere weihnachtliche Freude und unseren Dank über das große Geschenk Gottes dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir z.B. für „Brot für die Welt“ spenden.

Genau davon singen wir auch in einem unserer Weihnachtslieder (EG 548):

 

1. Als Jesus auf die Erde kam, ein kleines Kind geboren,

da hat er in dem armen Stall gezittert und gefroren.

2. Auch heut gibt’s Kinder in der Welt, die nichts zu essen kriegen,

die Armut leiden, nicht wie wir in weichen Betten liegen.

3. Dass es viel Not und Elend gibt, daran lasst uns jetzt denken,

wenn wir zur schönen Weihnachtszeit uns freuen und beschenken.

4. Denn Jesus sagt: Was ihr getan den Armen und Geringen,

das ist, als ob ihr’s mir zulieb als Gabe wolltet bringen.

5. Drum gebt und helft, wo ihr es könnt, und lindert Not auf Erden.

So macht ihr Gottes Willen wahr. So kann es Weihnacht werden.

 

Ein frohes Christfest und ein gesegnetes neues Jahr 2018 wünscht Ihnen

 

 

Ihr Pfarrer

Michael Menzinger