Impulse

 

Suche Frieden und jage ihm nach! -

 

So lautet die biblische Losung für dieses neue Jahr 2019. Sie stammt aus Psalm 34.

Wir erhalten also für das neue Jahr keinen Zuspruch, sondern hören einen Anspruch an uns. Doch dieser Anspruch passt in unsere Zeit. Denn der Friede ist ein hohes Gut und er ist in unserer Zeit vielfältig bedroht. Da gibt es viele Konflikte und Kriege wie im Kongo oder im Jemen, in Syrien oder der Ukraine. Sie bringen unendliches Leid über die Menschen. Von den Gräueltaten des IS gar nicht zu reden.

Aber auch in unserem reichen und – Gott sei Dank – stabilen Land, scheint der innere Friede bedroht. Das Gegeneinander ist plötzlich wieder attraktiv geworden. Wohin das führen kann, zeigen uns die zutiefst gespaltenen Gesellschaften in England oder in den USA.

Und die sich um ein gutes Miteinander mühen, werden oft als naive Gutmenschen abgestempelt. - Schon die Tatsache, dass der Ausdruck „Gutmensch“ zum Schimpfwort geworden ist, spricht ja Bände.

Dieses Auseinander und Gegeneinander statt Miteinander fängt bei den Worten an. Worte sind längst zu Waffen geworden. Vor allem in den neuen Medien werden hemmungslos Gerüchte gestreut, Unwahrheiten verbreitet, Stimmung gemacht und es wird gehetzt – auf Teufel komm raus. Die gefühlte, gewünschte Wahrheit bestimmt das Denken – und irgendwann auch das Handeln.

Und so kommt es, dass manche eben nicht dem Frieden nachjagen, sondern Menschen jagen. Auch das haben wir ja in unserem Land erlebt, dass ausländisch aussehende Menschen verfolgt werden von einem rechtsgesinnten Mob, der zwischen deutsch und nicht-deutsch unterscheidet, aber nicht zwischen menschlich und unmenschlich.

Den Frieden zu suchen, ihm nachzujagen ist wirklich wieder eine Aufgabe geworden. Wir dürfen uns nicht an den Unfrieden gewöhnen. Gott mutet uns zu und traut uns zu, etwas für den Frieden zu tun. Und er lässt uns mit diesem Auftrag nicht allein.

Wir finden diese Jahreslosung mitten in einem Gebet, das mit dem Lob Gottes beginnt. Vorgeblich hat David diesen Psalm geschrieben, als er auf der Flucht war. Und er dankt Gott für seine Hilfe, für alle Güte und allen Schutz. Die Aufforderung, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen, ist also eingebettet im Vertrauen zu Gott, im Dank für erfahrene Bewahrung. Das ist ein wichtiger Befund! Den Frieden suchen, ihm nachjagen – das geht nur aus dem Vertrauen zu Gott heraus.

An Weihnachten haben wir die Geburt des Friedefürsten gefeiert. Diesen umfassenden Frieden, Shalom, also das Heilsein des Lebens und der Welt, das kann nur er bringen. Aber dazu ist er gekommen. Das ist uns verheißen. Frieden ist möglich – weil Gott ihn will und dafür sorgt.

Wo wir diesen Glauben haben, wo wir dieser Zusage trauen, wo wir selber solchen Frieden bei ihm finden, werden wir fähig, dem Frieden in unserer Welt nachzujagen, nicht zu resignieren und nicht nachzulassen im Einsatz für den Frieden.

„Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.“ ( Joh. 14,27) Das hat Jesus bei seinem Abschied versprochen.

Ich denke dieser Friede, den wir bei Gott finden, den wir uns nur schenken lassen können, um den wir nur beten können – dieser Friede bei Gott und mit Gott ist der Ausgangspunkt für alles dem „Frieden nachjagen“ auf Erden. Menschen, die inneren Frieden gefunden haben, kreisen nicht ständig um sich selbst. Sie sind offen und sensibel für ihre Mitmenschen – und auch für Gott. Sie sind bereit und fähig sich einzusetzen für den Frieden in ihrer Umgebung, in der Welt, mit der Schöpfung. Und sie halten fest am Gebet, weil sie wissen, wo die Quelle des Friedens ist. Sie wissen, dass es der Gott des Friedens ist, der ihre Herzen und Sinne bewahrt, damit sie nicht resignieren, sich nicht zurückziehen, sondern sich einsetzen für den Frieden.

Suche den Frieden und jage ihm nach. Das bleibt unsere Aufgabe. Aber es ist der Auftrag Gottes und er lässt uns mit dieser Aufgabe nicht allein.

Ihr Pfarrer Michael Menzinger


 

500 mal Botendienst

Mit diesem Kirchenboten, liebe Leserinnen und Leser, halten Sie die 500. Ausgabe in der Hand! Grund genug, ein wenig Rückschau zu halten und die Bedeutung dieser Publikation für unsere Gemeinde zu würdigen.

- Es war im September 1956, als die erste Ausgabe des „Kirchenbote der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Beerbach“ ins Leben trat.

- Es war eine Zeit, in der viele Familien noch kein eigenes Auto besaßen und ein Omnibus die entfernt wohnenden Gemeindeglieder aus Simonshofen und Bullach an bestimmten Sonntagen zum Gottesdienst nach
Beerbach brachte und man von den anderen Orten die alten und witterungsbedingt nicht immer sauberen Kirchenwege zu gehen hatte.

- Es war eine Zeit, in der Pfarrer und Kirchenvorstand feststellen mussten, dass viele Mitglieder keine Verbindung mehr zu ihrer Gemeinde hielten.

- Es war eine Zeit, in der bei weitem nicht in jedem Haus eine Tageszeitung abonniert wurde und man daher auch die dort abgedruckten kirchlichen Nachrichten nicht las, zumal das Gemeindegebiet je nach Landkreiszugehörigkeit der einzelnen Orte auch zum Einzugsbereich verschiedener Lokalzeitungen gehörte (was ja auch heute noch der Fall ist).

- Und es war damals wie heute, dass der einladende Glockenklang der beiden Kirchen je nach Windrichtung und Entfernung des Außenortes bei weitem nicht überall vernommen wurde.

Damals wollte der junge Pfarrer Karlheinz Neukamm ( 2018), der gerade die Pfarrstelle übernommen hatte, dem Gemeindeleben neue Impulse geben und er fand im Kirchenvorstand dafür bereitwillige Unterstützung. Ein wichtiges Mittel, um die räumlich so weitgestreckte Gemeinde neu zu sammeln, wurde in einer gedruckten Veröffentlichung gesehen, die regelmäßig in die Häuser der neun Orte gelangte und eine Verbindung schuf zwischen dem Pfarramt und den einzelnen Gemeindegliedern. So wurde ein Bote der Kirchengemeinde ausgesandt, der gegen ein geringes Entgelt von Helferinnen und Helfern, in zunehmendem Maße auch von Präparanden und Konfirmanden, in jedes evangelische Haus zwischen Großgeschaidt und Simonshofen bringt, und das seit nunmehr schon nahezu 63 Jahren!
In der Pfarrbibliothek liegen sämtliche Ausgaben des Kirchenboten zu Büchern gebunden vor und in manchen Häusern wurden die Gemeindebriefe ebenfalls mehr oder weniger vollständig aufgehoben. Man kann beim Blättern feststellen, wie sich dieser Bote im Lauf der Zeit verändert hat. Anfänglich hatten die Ausgaben das Format DIN A 4 und bestanden aus ein bis zwei doppelseitig bedruckten Blättern. Der Text wurde mit der mechanischen Schreibmaschine auf eine Wachsmatrize übertragen und auf einem Umdruckapparat mit Handkurbel vervielfältigt. Das war zeitaufwändig und im Sommer, wenn bei großer Hitze die Vorlage „aufweichte“, eine problematische Prozedur, wie der Verfasser dieser Zeilen selbst erfahren musste.

Der Kirchenbote fand schnell Anklang in der Gemeinde. In vielen Häusern befestigte man die Seite mit dem Gottesdienstplan an einer Schranktüre in der Küche, um die Daten immer schnell im Blick zu haben. Ab 1974 änderte sich das Format auf DIN A 5 und nun erfolgte die Herstellung im Offsetverfahren in einer Druckerei mit 6 Ausgaben im Jahr. Von da an konnte der Inhalt auch durch Grafiken und durch Textvorlagen zu verschiedenen kirchlichen Themen bereichert werden. Der Umfang erweiterte sich dadurch zunehmend, doch die wichtigsten Inhalte waren von Anfang an die geistliche Betrachtung des Pfarrers, die Nachrichten aus dem Gemeindeleben, die Übersicht über Gottesdienste und Veranstaltungen sowie die Mitteilungen von Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen und von den Geburtstagen der älteren Gemeindeglieder. 1989 tauchten erstmals sporadisch Fotografien im Text auf. 2004 hielt schließlich der Computersatz Einzug und heute wird jede Ausgabe in Zusammenarbeit mit einem Redaktionskreis inhaltlich zusammengestellt, als Datei im Pfarramt angefertigt und elektronisch an eine Druckerei versandt, die sich auf die Herstellung von kirchlichen Gemeindebriefen spezialisiert hat und binnen weniger Tage die gewünschte Stückzahl geheftet auf dem Postweg zurück an das Pfarramt zustellen lässt. Trotzdem verbleibt bei der Pfarramtssekretärin noch ein gehöriges Stück Arbeit, denn die 1000 Exemplare müssen für die einzelnen Zustellbezirke abgezählt und mitunter mit Verteilmaterial bestückt werden.

Wie jeder Gemeindebrief hat auch der Kirchenbote einen „Kopf“, der sich ebenfalls verändert hat. Bis zur Nr. 409 zeigte er eine stilisierte Darstellung der Beerbacher Kirche mit einem kunstvoll gestalteten Titel in Frakturschrift, entworfen von einem Rummelsberger Diakon.

Das dafür notwendige Bleiklischee wird zur Erinnerung im Pfarrarchiv verwahrt. Heute ziert die Titelseite eine Grafik des Heroldsberger Akademiedirektors Fritz Griebel (1899-1976) und seit Nr. 446 ist das stets mit besonderer Sorgfalt ausgewählte Titelbild sogar in Farbe! Der Beerbacher Kirchenbote ist also mit der Zeit gegangen, sein Auftrag von der ersten Nummer an aber ist gleich geblieben: Er verkündet Gottes Wort, er unterrichtet über das Gemeindeleben und er ist eine unverzichtbare Brücke zwischen Gemeindeleitung und Gemeindegliedern.

Liebe Gemeindeglieder, bitte empfangen Sie auch weiterhin diesen Boten mit freundlichem Interesse und scheuen Sie sich nicht, vielleicht auch einmal selbst einen Beitrag oder einen Leserbrief zu verfassen!

Ewald Glückert

(Mitarbeiter des Kirchenboten seit 1973)

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