Impulse

 

Liebe Gemeinde!                

 

Es ist wieder so weit. Am 21. Oktober sind Sie aufgerufen einen neuen Kirchenvorstand für unsere Gemeinde zu wählen. Dieser wird dann 6 Jahre lang die Geschicke unserer Gemeinde wesentlich mitbestimmen.

12 Frauen und Männer haben sich bereit erklärt, für den Kirchenvorstand zu kandidieren. Damit haben wir die Mindestanzahl von Kandidaten erreicht. Das ist in unserer Zeit gar nicht so selbstverständlich. Bei unseren Kandidatinnen und Kandidaten sind alle Altersgruppen vertreten. Wir haben Repräsentanten aus allen Dörfern unserer Gemeinde (bis auf Tauchersreuth). Der Anteil von Frauen und Männern ist ausgewogen und auch das Verhältnis von neuen Kandidaten und „alten Hasen“, die schon im bisherigen Kirchenvorstand waren, ist ausgeglichen. Diese Gemeindeglieder sind bereit sich als Kirchenvorsteher für die Gemeinde zu engagieren und dafür ihre Zeit, Energie und Kompetenz einzusetzen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Meine herzliche Bitte an Sie, liebes Gemeindeglied, ist nun: Beteiligen Sie sich an der Wahl! Stimmen sie mit ab - entweder per Briefwahl oder indem Sie am 21. Oktober in einem der Wahllokale aufkreuzen und ihre Kandidaten ankreuzen! Durch Ihre Wahl gestalten Sie unser zukünftiges Gemeindeleben mit. Und je mehr Gemeindeglieder ihre Stimme abgeben, desto mehr Rückenwind haben die neuen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher. Eine hohe Wahlbeteiligung zeigt dem Kirchenvorstand, dass seine Arbeit wahrgenommen und gewürdigt wird.

Solche Wertschätzung und Unterstützung ist gerade in einer Zeit wichtig, in der immer weniger Menschen bereit sind, sich langfristig und verbindlich ehrenamtlich zu engagieren.

Um die Beteiligung an der Wahl so einfach wie möglich zu machen, erhalten dieses Mal alle wahlberechtigten Gemeindeglieder Briefwahlunterlagen. Diese wurden in der zweiten Septemberhälfte zugesandt. Sie haben also die Möglichkeit Ihre Stimme per Briefwahl abzugeben oder am 21. Oktober in eines der beiden Wahllokale zu kommen und dort zu wählen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn unsere Gemeinde durch eine hohe Wahlbeteiligung ein Zeichen gegen den Trend setzen und so dem zukünftigen Kirchenvorstand signalisieren würde: Gut, dass wir Euch haben!

Ihr Pfarrer
Michael Menzinger

 

 

Wer darf wählen?                             

Wahlberechtigt sind alle konfirmierten Gemeindeglieder ab 14 Jahren, die seit mindestens 3 Monaten zu unserer Kirchengemeinde gehören. Nichtkonfirmierte Gemeindeglieder dürfen ab 16 Jahren wählen.

Wann wird gewählt?

Die Wahl findet am Sonntag, den 21. Oktober 2018, statt. Die Wahllokale haben von 10.30 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet.

Wo wird gewählt?

Zwei Wahllokale stehen zur Verfügung: Das eine befindet sich in unserem Gemeindehaus in Beerbach, Pfarrhof 1. Das andere Wahllokal ist das neue Feuerwehrhaus in Neunhof, Beerbacher Weg 2.

Wie wird gewählt?   

Sie können wie bisher am Wahlsonntag in einem der beiden Wahllokale Ihre Stimme abgeben oder per Briefwahl wählen.

Die Briefwahlunterlagen werden Ende September verschickt. Die Grafik auf Seite 6 zeigt, wie Sie per Briefwahl wählen. Ihren Wahlbrief können Sie dann mit der Post an das Pfarramt schicken oder persönlich im Pfarramt abgeben oder in den Briefkasten des Pfarramtes werfen. Wichtig ist, dass der Wahlbrief bis zum 20. Oktober 2018 im Pfarramt eingegangen ist. Danach besteht noch die Möglichkeit, den Wahlbrief am Wahlsonntag in einem der beiden Wahllokale abzugeben.

Wenn Sie am Wahlsonntag in einem der beiden Wahllokale Ihre Stimme abgeben, müssen Sie dazu Ihren Wahlausweis mitnehmen, den Sie mit den Wahlunterlagen zugeschickt bekommen haben. Zur Not genügt auch der Personalausweis. Sie erhalten dann vom Wahlausschuss einen Stimmzettel, füllen ihn aus und werfen ihn in die Wahlurne.

Wer die Mühe auf sich nimmt, in einem der beiden Wahllokale aufzukreuzen und anzukreuzen, den laden wir da zu einer Tasse Kaffee und einem Stückchen Kuchen ein.

 

 

Amos, Luther und Marx

 

Nach dem Jahr des großen Reformationsjubiläums mit der Symbolfigur Luther, steht in diesem Jahr Karl Marx im Blickpunkt. Denn er wurde vor 200 Jahren am 5. Mai 1818 in Trier geboren und hat – wie Luther – die Welt verändert.

Und so merkwürdig es zunächst vielleicht anmuten mag, wenn man nun den Propheten Amos mit dem großen Reformator Luther und dem Religionskritiker und Philosophen Karl Marx in eine Reihe stellt: sie haben tatsächlich eine wichtige Gemeinsamkeit. Sie treffen sich nämlich in der Kritik des Kapitalismus als Götzendienst.

 

Bei Amos lesen wir: „Höret dies, die ihr die Armen unterdrückt und die Elenden im Lande zugrunde richtet und sprecht: Wann will denn der Neumond ein Ende haben, dass wir Getreide verkaufen, und der Sabbat, dass wir Korn feilhalten können und das Maß verringern und den Preis steigern und die Waage fälschen, damit wir die Armen um Geld und die Geringen um ein Paar Schuhe in unsere Gewalt bringen und Spreu für Korn verkaufen? Der HERR hat bei sich, dem Ruhm Jakobs, geschworen: Niemals werde ich diese ihre Taten vergessen! Sollte nicht um solcher Taten willen das Land erbeben müssen und alle Bewohner trauern?“ (Amos 7,4-6)

Amos übt Kritik an der sozialen Ungerechtigkeit seiner Zeit, in der die Reichen ihren Reichtum auf Kosten der Armen mehren, sich über das Recht stellen und durch Korruption sich Vorteile verschaf-fen. Amos zieht die Oberschicht für die Unterdrückung und Ausbeutung der Armen und Machtlo-sen mit aller Schärfe zur Rechenschaft. Solches Verhalten ist unvereinbar mit Gottes Forderung nach Solidarität und Gerechtigkeit. Und wo das Geschäft wichtiger als der Sabbat wird, beginnt der Götzendienst

 

Auch Luther erkannte zu seiner Zeit, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Konzentration des Kapitals bei einigen Wenigen auf der einen Seite und Verarmung auf der anderen Seite. Das, was wir heute als und Auseinandergehen der Schere zwischen Arm und Reich bezeichnen, stand also schon ihm vor Augen. Und er wusste, dass das auch mit der Trennung von Arbeit und Kapital zu tun hat.

Dass die Kapitalismuskritik für Luther kein unbedeutendes Nebenthema war, zeigt sich schon darin, dass er vier Schriften dazu verfasste und veröffentlichte. Sogar im Großen Katechismus, dem Lehrbuch für die Pfarrer, entfaltet er bei der Auslegung des ersten Gebotes seine Kritik am Mammon und an der götzendienerischen Verehrung des Mammon.

Auch in vielen Predigten hat Luther sich gegen den Wucher gewendet und die Kornwucherer als Räuber, Mörder und leibhaftige Teufel bezeichnet. Heute nennen wir sie freundlich Börsianer oder Spekulan-ten an Agrarbörsen.

Noch 1540 hat er eine Schrift veröffentlicht mit dem Titel: „An die Pfarrherrn wider den Wucher zu predigen, Vermahnung“.

Was Luther zu seiner Kapitalismuskritik trieb, war sicher nicht der heute oft zitierte Sozialneid und auch keine rückwärts orientierte Marktfeindlichkeit. Was ihn dabei bewegte, war das Elend, das die wirtschaftlichen Entwicklungen damals hervorriefen. Aus theologischen und ethischen Gründen soll das Geld dem Menschen dienen und nicht der Mensch dem Geld. Deshalb verwirft Luther auch jede Eigengesetzlichkeit wirtschaftlichen Handelns, das sich dadurch ja den Geboten Gottes entzöge. Auch Besitz und Gewinn sollen im Dienst der Nächstenliebe stehen.

Für Luther war klar: In einem freien Markt geht es um Gewinnmaximierung, nicht um Gerechtigkeit oder das Wohl der Menschen. Deswegen muss die „Obrigkeit“, also der Staat den Markt im christlichen Sinne regulieren. So fordert Luther in seiner Schrift „Von Kauffshandlung und Wucher“ die Fürsten dazu auf, den Fuggern einen Zaum anzulegen – eine Forderung, die nach der Finanzkrise 2008 für die Fugger unserer Zeit vielfach erhoben, aber nur bruchstückhaft durchgesetzt wurde.

 

2003 schloss sich der Lutherische Weltbund auf seiner 10. Vollversammlung in Winnipeg dieser Sicht an und nannte eine Wirtschaftsdoktrin, die auf unbedingtes Vertrauen in die Gesetze des Marktes setzt, „Götzendienst“.

 

2004 kritisierte der Reformierte Weltbund auf seiner 24. Generalversammlung in Accra den Neoliberalismus als eine Ideologie, die mit dem Anspruch auftritt, „alle Lebenssphären beherrschen zu wollen und absolute Gefolgschaft verlangt, was einem Götzendienst gleichkommt.“

 

2013 veröffentlichte Papst Franziskus seine Apostolisches Schreiben „Evangelii Gaudium“. In ihm schleudert der der gegenwärtig herrschenden Wirtschaft ein vierfaches Nein entgegen:

Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung. Nein zur neuen Vergötterung des Geldes. Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen. Nein zur sozialen Ungerechtigkeit, die Gewalt hervorbringt. Er sagt: „Wir haben neue Götzen geschaffen. Die Anbetung des goldenen Kalbes hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel.“

Eine solche Wirtschaft tötet, sagt der Papst und schockiert damit die Öffentlichkeit.

 

Wenn der Lutherische Weltbund, der Reformierte Weltbund und Papst Franziskus den Götzendienst im Kapitalismus kritisieren, greifen sie damit eine Grundkategorie der Kapitalismuskritik bei Karl Marx auf. So kommt Marx heute also bei Kirchens zu Ehren.

Marx kritisierte, dass im Kapitalismus das Kapital zum „automatischen Subjekt“ wird und der Mensch zum ausführenden Organ. Diesen Sachverhalt, dass ein vom Menschen selber hergestellter Gegenstand sich verselbständigt, verehrt wird und Macht über den Menschen gewinnt, bezeichnet er als Fetischismus oder eben als Götzendienst. Und es ist interessant, dass er, der Religionskritiker, biblische Begriffe und Bilder wie Baal, goldenes Kalb, Mammon, Moloch aufgreift, um den Kapitalismus als einen Götzendienst des Geldes, der Ware und des Profits zu entlarven.

 

Die weltweite Ökumene hat erkannt, dass die analytischen Kategorien von Karl Marx hilfreich sind, um den ungezähmten Kapitalismus theologisch als destruktiven Götzendienst zu entlarven, um die Ursachen der Verarmung zu klären und Widerstand zu leisten.

Auch Luthers Wirtschaftsethik beinhaltet Kritik am ungezügelten Kapitalismus. Und gerade heute müsste solche Kritik doch hochaktuell sein. Denn viele Flüchtlinge, die nach Europa kommen, sind ja Opfer eines ungezügelten, weltweiten Kapitalismus.

Es wäre gut, wenn das Marxjubiläum bewirken würde, dass wir diesen Problemzusammenhang wieder sehen und angehen. Doch ich bezweifle, dass wir Pfarrer heute so etwas wie „An die Pfarrherrn wider den Wucher zu predigen, Vermahnung“ von der Kirchenleitung bekommen.

Eher steht zu befürchten, dass das Diktum des brasilianischen Bischofs Dom Helder Camara gültig bleibt: „Wenn ich den Armen Brot gebe, so nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich ihnen sage, warum sie arm sind, bin ich ein Kommunist.“

 

 

„als Opfer des männermordenden Krieges“

Unsere Gemeinde im Ersten Weltkrieg (Schluss)

Nach vier Kriegsjahren musste die deutsche Oberste Heeresleitung nüchtern erkennen, dass eine weitere Fortführung der Kämpfe aussichtslos war. Am 11. November 1918 wurde bei Compiègne nahe Paris der Waffenstillstand unterzeichnet. An den kriegerischen Handlungen waren etwa 40 Staaten unmittelbar oder mittelbar beteiligt gewesen, die Opfer zählten nach Millionen, allein in Deutschland, Frankreich, Österreich-Ungarn und Russland waren es über 6.000.000. 

Titelseite des Gottesdienstblattes für die Feier am Sonntag nach Weihnachten 1918 (Pfarrarchiv Beerbach)
Titelseite des Gottesdienstblattes für die Feier am Sonntag nach Weihnachten 1918
(Pfarrarchiv Beerbach)

Der heute verwendete Begriff „Erster Weltkrieg“ zeugt leider von der bitteren Wahrheit, dass dieses verheerende Ereignis der Völkergeschichte nicht das letzte seiner Art gewesen ist, im Gegenteil, eine noch weitaus furchtbarere Auseinandersetzung sollte nur 21 Jahre später ihren Anfang nehmen.                                                                 

Mit von tiefem Ernst geprägten Gottesdiensten hatte man am Tag nach der Mobilmachung 1914 den Abschied der ausziehenden Soldaten begangen. Nun, vier Jahre später, lud die Kirchengemeinde am 29. Dezember 1918 wieder „zum feierlichen Dankgottesdienst im Beerbacher Heimatkirchlein“ ein.

„Ihr alle, die ihr aus des Weltkriegs Schrecken unversehrt habt heimkehren dürfen, werdet den Wunsch hegen, dem treuen Hüter Eures Lebens Lob und Dank zu sagen“ heißt es in der gedruckten Einladung. In einem langen Zug stellten sich die heimkehrenden Soldaten vor dem Pfarrhaus auf und traten unter dem Choral „Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in den Tod“ in das dicht besetzte Gotteshaus ein. Zu Beginn stand der Dank „für die gnädige Bewahrung“ des Lebens der Zurückgekehrten, ihm folgte unter dem Läuten der einzigen, von der Abgabe verschont gebliebenen Glocke das Gedächtnis an die im Kriege Gefallenen und Vermissten. Ihre Zahl betrug 39. Nach der Ansprache des Ortsgeistlichen Pfarrer Max Heller und dem Gebet für die Trauernden, Verwundeten, Vermissten und Gefangenen folgten Beichte und Abendmahl.

In welcher Stimmung sich die Gottesdienstbesucher an diesem Sonntag nach Weihnachten wohl auf den Heimweg begeben haben? Dankbar, getröstet oder von Trauer und hilflosem Schmerz erfüllt? Drei Tage später begann das neue Jahr 1919. Das Leben ging irgendwie weiter, aber die althergebrachten Strukturen waren zerbrochen und es dauerte seine Zeit bis auch die Kirche und ihre Gemeinden zu einer neuen Lebensordnung fanden.

 

Ewald Glückert