Impulse

Auf ein Wort

Ostern einüben

ein OsterbildKann man das? Ostern einüben? Klar ist: Ostern bedeutet Veränderung, Erneuerung, neues Leben. Auch Paulus schreibt in seiner nicht so einfachen Sprache davon, dass Ostern feiern doch bedeuten muss, dass auch heute noch bei uns etwas neu wird. Er drückt es im 1. Brief an die Korinther
(5,6-8) so aus:

„Wisst ihr nicht, dass schon ein klein wenig Sauerteig den ganzen Teig sauer macht? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr wieder wie frischer Teig seid. Schließlich seid ihr doch schon frei von Sauerteig. Denn unser Passalamm ist bereits als Opfer geschlachtet worden: Christus. Also lasst uns angemessen feiern – nicht mit altem Sauerteig, der Bosheit und Schlechtigkeit bedeutet. Lasst uns feiern mit dem ungesäuerten Brot, das für Unverdorbenheit und Wahrheit steht.“

Also: der Sieg des Lebens, den die Auferweckung des gekreuzigten
Christus bedeutet, wirkt sich heute für uns darin aus, dass uns nicht mehr das Alte, das Gewohnte weiter beherrschen darf. Die Befreiung von der Macht des Todes und der Sünde soll also schon jetzt das tägliche Leben der Christen bestimmen.

Ihr Pfarrer Michael Menzinger

 

Altes neu beleuchtet

Das Geheimnis der drei Löcher

die drei LöcherWenn in der Kirche die Zahl Drei auftaucht, geht es gewöhnlich um die nicht leicht zu verstehende Lehre von der Dreieinigkeit (Trinität): Gott ist der eine, aber er entfaltet sich in drei Aussagen: Er ist der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Die „drei Löcher“ über dem Altar im Chorgewölbe der Neunhofer Kirche

Im Vergleich zu diesem theologischen Thema geht es in unseren beiden Kirchen bei den geheimnisvollen drei Löchern um etwas ziemlich Äußerliches im Innenraum, das vom Besucher zumeist gar nicht bemerkt wird: Im Deckengewölbe des Turm-eingangs in Beerbach und des Chorraums in Neunhof kann man jeweils drei runde Öffnungen entdecken, die dem ahnungslosen Betrachter vielleicht Rätsel aufgeben. Mit einem märchenhaften Geheimnis haben sie allerdings nichts zu tun, sondern sie stellen Überbleibsel aus einer Zeit dar, die mit dem Jahr 1972 für immer zu Ende ging.

Wer genauer hinsieht, wird erkennen, dass diese Löcher mit einer hölzernen Verschalung ausgekleidet sind und dass sich darunter an der Seitenwand in Griffhöhe Haken befinden. Diese sind allerdings nur noch in Neunhof erhalten geblieben. Die älteren Leserinnen und Leser werden längst wissen, wovon nun hier die Rede ist: Durch die drei geheimnisvollen Löcher hingen früher Seile herab, die durch die Wandhaken gehalten wurden. Diese Seile waren durch sämtliche Stockwerke der Türme gespannt und endeten im obersten Geschoss bei den Glockenstühlen. Ja, es waren die Zugseile zum Läuten von jeweils drei Glocken, und da kommen vielleicht bei dem Einen oder Anderen Erinnerungen auf, denn zum „Läutpersonal“ gehörten z. B. beim „Schiedläuten“ am Freitag um 9.00 Uhr auch ältere Schulbuben, denen diese Unterbrechung des Unterrichts sehr gelegen kam. Dabei war es gar nicht so einfach, die unterschiedlich schweren Glocken nacheinander zum Schwingen und dann auch wieder zum Stillstand zu bringen.

Das Zeichenläuten der täglichen Gebetszeiten war aber vor allem die Aufgabe der Mesnerinnen und Mesner, die dazu ihre Arbeit unterbrechen und ihren Tagesablauf entsprechend einteilen mussten. In Neunhof wohnten die Mesner seit Jahrhunderten in der unmittelbaren Nachbarschaft der Kirche, während in Beerbach seit 1921 die Mesner aus dem Dorf herunterkommen oder mit dem Fahrrad, zuletzt mit dem Auto anfahren mussten. Um den Dienst wenigstens etwas zu erleichtern, wurde in beiden Kirchen das Frühgebet nicht geläutet. Anstrengend blieb der Dienst trotzdem, denn bei Feueralarm, drohenden Gewittern, Überführungen und anderen besonderen Anlässen musste oftmals anhaltend Läutzeichen gegeben werden. Nicht zu reden von früheren Jahrhunderten, als während der Trauerzeit „höchster und allerhöchster Herrschaften“ wie Kaisern, Königen und Kirchenpatronen mehrere Wochen jeden Tag eine Stunde mit allen Glocken geläutet werden musste! Dieses Trauergeläut war ein Kraftakt, den die Mesnerfamilien gewöhnlich nicht leisten konnten. Man bestellte dafür die Insassen der örtlichen Armenhäuser, die sich über das „Läutgeld“ natürlich besonders freuten. Die Bezahlung neuer Seile, die in den Werkstätten der Seilereien gefertigt wurden, gehörte zu den regelmäßigen Ausgaben der Kirchenkasse, denn die starke Inanspruchnahme führte zur schnellen Abnutzung.

1972 entschloss sich die Kirchengemeinde, elektrische Läut- und Uhrwerke mit Signalrädern einbauen zu lassen. Die Seile hatten ausgedient und nun war es endlich möglich, auch um 6.00 Uhr den Tageslauf mit dem Gebetsläuten der großen Glocke zu beginnen. Bei der Aufnahme des Mittagsläutens für den Bayerischen Rundfunk anlässlich des 450-jährigen Bestehens der Pfarrei 1970 wurde aber noch von Hand geläutet und Fachleute behaupten, das geübte Läuten mit Menschenkraft sei dem maschinell ausgelösten Glockenklang melodisch vorzuziehen.

Zur Erinnerung an das „Strickläuten“ sind nur die Löcher geblieben. Und wie ist es nun heute? Auch automatische Einrichtungen helfen nur bedingt, wenn Glocken in beiden Kirchen an das Ende ihrer Lebensdauer gekommen sind und in Beerbach kein Mesner mehr zur Verfügung steht. Hoffentlich kommt da bald „Schwung“ in die Lösung dieser Probleme, damit man wieder dem häufigen Ausspruch des ehemaligen Beerbacher Kirchenpflegers Heinrich Meyer zustimmen kann: „Heid had's widder schöi zammgschloong!“.

Ewald Glückert