Impulse

 

Wir haben euch aufgespielt, und ihr wolltet nicht tanzen...

Das ist ein Satz aus einem relativ unbekannten Gleichnis Jesu (Matthäus 11,16-19) – und so ging es Mitarbeitern unserer Gemeinde, mich eingeschlossen, in letzter Zeit immer wieder einmal. Da hat man ein Programm vorbereitet, sich bemüht und ist auch zu einem vorzeigbaren Ergebnis gekommen, doch dann fehlt die Hälfte der Gruppe. Ob Chor oder Besuchsdienst, Kindergottesdienst oder Frauengruppen: das Teilnahmeverhalten hat sich verändert. Auch der Gottesdienstbesuch ist insgesamt deutlich zurückgegangen.

Das hat nicht unbedingt mit Unzufriedenheit mit dem Programm zu tun. Die Rückmeldungen sind oft positiv. Nur: es passt immer irgendwie nicht. Es gibt so viel anderes, wo man dabei sein will oder muss. Es kommt oft etwas dazwischen.

Diese Änderung des Freizeitverhaltens, die sich auflösende Verbindlichkeit, die nachlassende Bereitschaft, sich längerfristig auf etwas festzulegen, sind in unserer Zeit ein allgemeiner Trend geworden. Ob Kirchengemeinden, Vereine, Feuerwehren – alle erleben das und leiden darunter. Ein Chor braucht halt eine gewisse Regelmäßigkeit und Verbindlichkeit, um ein Stück einüben zu können. Wenn das Kindergottesdienstteam die Aktivitäten für eine Gruppe von 10 bis 15 Kindern plant, dann aber mit nur 3 Kindern dasteht, kann es das geplante Programm nicht durchführen. Auf Dauer demotiviert das.

Wir haben darüber im Kirchenvorstand schon beraten, aber keine überzeugende Antwort auf diese neue Situation gefunden. Der Chor versucht darauf zu reagieren, indem er kleinere Einheiten mit drei, vier Proben für einen Auftritt anbietet. So kann man je nach Lust und Zeit mal mitmachen, mal Pause machen. Doch auch das bringt bislang keinen durchschlagenden Erfolg.

Eines war uns im Kirchenvorstand aber klar: anders als kommerzielle Anbieter auf dem Freizeitmarkt können wir nicht unser Angebot beliebig ändern und an den Geschmack oder die Mode anpassen. Wir sind Kirche und unser Auftrag ist es, „Gott ins Spiel zu bringen“, die frohe Botschaft der Bibel auf verschiedenste Art und Weise zu verkünden.

Das ist die Musik, die wir zu spielen haben. Die Frage ist nur, wie wir das tun. Und da müssen wir offensichtlich noch dazu lernen. Momentan stehen wir noch etwas hilflos vor dieser Aufgabe. Vielleicht können Sie uns dabei helfen, indem sie uns sagen, wie wir aufspielen sollen, damit Sie gerne dazu tanzen.

In pfingstlicher Vorfreude

Ihr Pfarrer

Michael Menzinger

 

Der Ring der Ewigkeit

Wer vor dem Altar der Neunhofer Johanniskirche steht und nach oben blickt, der findet im sogenannten „Aufzug“, also im obersten Abschluss des Altaraufbaus, einen silbernen Ring auf rotem Grund, umrahmt nach barocker Manier mit vergoldeten Ranken und überspannt von einer Art goldenen Krone. Das Gebilde steht wie ein Denkmal auf einem rechteckigen Sockel, einem Postament, und zwei etwas spärlich bekleidete Engel weisen mit großer Geste darauf hin. Sie sitzen mit eleganter Leichtigkeit auf den Giebelschrägen des Altarabschlusses und die gewöhnlich im Kirchenraum vorherrschende kühle Temperatur scheint ihrer Blöße nichts anzuhaben. Kein Wunder, sie sind bestens abgehärtet, denn sie erfüllen dicht unter dem Chorgewölbe bereits seit 1663 ihre besondere Aufgabe. Und die wäre?

Sie weisen darauf hin, dass der geschmackvoll gestaltete, farbig gefasste und vergoldete Aufbau des Altars von einer Familie gestiftet wurde, die gut ein Jahrhundert eng mit Neunhof und der Kirchengemeinde verbunden war und den Ortsnamen in ihrem Namen trug: Die Familie Koler von Neunhof. Ihr Wappen zeigt den silbernen Ring in rotem Feld, der auch an der höchsten Stelle des Altars zu sehen ist. Das Geschlecht war bereits im 13. und 14. Jahrhundert Inhaber des Forstmeisteramts im Lorenzer Wald südlich von Nürnberg und gehörte dem Patriziat der Reichsstadt Nürnberg an. Durch Heirat mit der Witwe des Hans Christoph Geuder gelangte Paulus Koler 1582 in den Besitz des halben Anteils an der Herrschaft Neunhof. Die Familie verfügte über eine Gruft unter dem Chorraum der Beerbacher Kirche und war an der Ausübung der Kirchenherrschaft über die Pfarrei beteiligt. In dieser Funktion verhinderten die Koler im 17. Jahrhundert als überzeugte Lutheraner, dass ihr Neunhofer „Nachbar“, der Schlossherr Jakob Geuder, die Gemeinde dem reformierten (calvinistischen) Bekenntnis zuführte. Somit blieb der lutherische Bekenntnisstand der Beerbacher Pfarrei unangetastet.

Der Ratsherr Georg Seifried Koler war der letzte männliche Nachfahre, er starb 1688. Im Jahr 1710, als die Neunhofer Kirche im Innern neu gestaltet wurde, lebten noch drei seiner Töchter. Sie hatten sich bereits durch mehrere Stiftungen um die Pfarrei verdient gemacht, darunter eine wohltätige Armenstiftung für Gemeindemitglieder und eine silber-vergoldete Weinkanne für das Heilige Abendmahl, die heute noch Verwendung findet.

Nun aber sahen sie es als ihre Aufgabe an, den bestehenden Altar durch den Maler Thomas Herbst ansprechend gestalten zu lassen und als letztes sichtbares Zeichen der Erinnerung das Wappen ihrer erloschenen Familie anzubringen. So gelangte der silberne Ring auf den Giebel des Altares.

Wie die Familie Koler zu diesem Wappenbild kam, lässt sich nicht mehr sagen, aber der Ring, ähnlich wie der Kreis, ist als eine immer wieder zu sich selbst zurückkehrende Linie ohne Anfang und Ende ein Symbol des Unbegrenzten und damit der Ewigkeit. Wenn wir also zum Neunhofer Altar hinaufblicken, so erinnern wir uns nicht nur an eine längst erloschene Familie, deren Namen heute nur noch im Begriff „Kolerschloss“ fortlebt, sondern vor allem an Gott selbst, der von sich sagt:

Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit. Offenbarung 1, 18

Ewald Glückert