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Wandgemälde des Apostels Petrus  an der Südwand des Kirchenschiffes
Bildrechte: Foto: Helmut Meyer zur Capellen

Die Pfarrei Beerbach zählt bekanntlich zu den ältesten evangelischen Gemeinden im Bereich der heutigen bayerischen Landeskirche. Die Einführung des lutherischen Bekenntnisses wird mit dem Amtsantritt des ersten evangelischen Pfarrers Conrad Wagner am 12. August 1521 datiert und liegt somit nun genau 500 Jahre zurück. Ein interessierter Besucher fragt sich vielleicht, woran er diese lange lutherische Prägung im Kirchenraum von St. Egidien erkennen kann. Er schaut sich um und entdeckt Ausstattungsgegenstände aus verschiedenen Jahrhunderten. Er bemerkt die geräumigen Emporen wie sie für evangelische Predigtkirchen typisch sind. Doch er findet kein Lutherbildnis, und wenn er den Altar näher betrachtet, so hat er einen typischen spätgotischen Hochaltar aus vorreformatorischer Zeit vor sich, in dessen Mittelpunkt die Himmelskönigin Maria steht, umgeben von goldglänzenden Heiligen.

Und doch besaß die Kirche eine Ausstattung ganz aus reformatorischem Geist, entstanden um das Jahr 1520. Sie hat sich nur noch in kleinen Resten erhalten und man muss schon etwas Spürsinn entwickeln, um sie zu entdecken, denn auf den ersten, flüchtigen Blick erschließt sie sich nicht. Wenn man die Patronatstreppe beim Taufstein hinaufsteigt und auf der Empore die Südostecke des Kirchenschiffs betrachtet, entdeckt man zwei figürliche Wandfresken von beachtlicher Größe. Das Gemälde unmittelbar über der Treppe zeigt Christus mit der segnend erhobenen rechten Hand. Er trägt eine große, mit einem Kreuz geschmückte Kugel und verkörpert damit den „Salvator“, den Retter der Welt, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Sein Blick richtet sich auf die Darstellung daneben, den Apostel Petrus, kenntlich an den „Schlüsseln des Himmelreichs“. Die beiden beeindruckenden Darstellungen sind von dem unbekannten Künstler für die Betrachter  gemalt, die ursprünglich von unten an der Wand emporblickten. Heute führen sie ein kaum beachtetes Dasein und werden – vor allem Petrus – von der Empore und ihrem angrenzenden Gestühl geradezu „bedrängt“. Diese Freskenreihe ging noch weiter und umzog mit insgesamt 13 Figuren die gesamten Innenwände des Kirchenschiffs bis hin zur später eingebauten Kanzel. Es waren die 12 Apostel, gemalt immer zwischen den einzelnen Fenstern mit dem Blick auf den Christus Salvator. Im Chorraum kamen noch die 4 Evangelisten hinzu. Davon hat sich noch einer in der Südwestecke, sitzend an einem Schreibpult, erhalten.

Erst 1959 im Zuge der großen Kirchenrenovierung hat man die Reste dieser Figurenreihe wiederentdeckt und behutsam restauriert. Als 1660 mit dem Einbau der einst an drei Seiten umlaufenden Emporen begonnen wurde, als man 1758 die Fenster vergrößerte und seitdem die Wände immer wieder neu tünchte, ging der ursprüngliche Raumcharakter mit der Apostel- und Evangelistenreihe weitgehend verloren. Mit ein wenig Fantasie kann man es sich aber noch heute vorstellen: Die Apostel als die Urzelle der christlichen Gemeinde, den Herrn der Kirche fest im Blick, und die Evangelisten mit ihrem Zeugnis der Frohen Botschaft von Jesus Christus, sie umgaben lange Zeit die im Kirchenraum versammelte Gemeinde. Sie feierten in bildlicher Anwesenheit den Gottesdienst mit und erinnerten immer wieder neu an das Wort aus der Apostelgeschichte im 2. Kapitel:
Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.
Lehre, Gemeinschaft, Abendmahl und Gebet sind uns als Gemeinde geschenkt, das alles soll im Blick auf Christus geschehen. Die Verkündigung dieses Bibelwortes wurde durch die Freskenreihe in unserer Kirche verdeutlicht. Auch wenn die Bilder weitgehend verschwunden sind, bleibt dieser Kernauftrag auch in der Zukunft: Hören auf das Wort Gottes, gottesdienstliche  Gemeinschaft und für einander Dasein in der Gemeinde, Feier der Sakramente und mit Gott im Gespräch bleiben in Anbetung und Fürbitte. Getragen von diesem Fundament können wir als alte lutherische Gemeinde zuversichtlich weitergehen und diese Aufgaben immer wieder neu für uns entdecken und versuchen, sie an zukünftige Generationen weiterzugeben.

Ewald Glückert, Archivpfleger