Heilsame Unterbrechung

Liebe Leserin, lieber Leser,

lieben Sie es, unterbrochen zu werden? Wahrscheinlich nicht. Doch wie halten Sie es dann mit dem Advent und mit Weihnachten? Der Advent als Vorbereitungszeit, als zumindest der Absicht nach stille Zeit unterbricht unsere übliche Geschäftigkeit. Auch das Christfest ist eine Unterbrechung des Gewohnten. Das ganze Land macht Pause. Die Vorbereitungen auf das Fest unterbrechen den gewohnten Ablauf.
Das war bei der ersten heiligen Nacht nicht anders. Eigentlich hat Weihnachten schon immer gestört und war eine Unterbrechung des Gewohnten.

Die Sterndeuter kamen wegen des neuen Sterns in Verlegenheit.
König Herodes ärgerte sich über einen neuen Konkurrenten.
Die Hirten erschraken über die Engel.
Und Maria und Josef waren noch gar nicht verheiratet, als Weihnachten dazwischen kam und ihr Leben durcheinander brachte.

Aber es hat auch sein Gutes, so unterbrochen und gestört zu werden.

Die Sterndeuter entdecken dadurch, dass Gott nicht nur im Himmel ist, sondern auch auf Erden.
König Herodes erkennt, dass eine neue Zeitrechnung beginnt.
Die Hirten hören auf die Engel und werden von unglaublicher Freude erfüllt.
Und Maria erlebt, dass Josef zu ihr hält – trotz allem.

Und wir? Lassen wir uns unterbrechen durch die Adventszeit und durch das Christfest? Oder spulen wir weiterhin das übliche Pflichtprogramm ab?
Als die Corona-Pandemie uns ausbremste, da haben etliche auch in unserer Gemeinde festgestellt: Eigentlich tut es gut, mal runterzufahren. Bei allem, was uns da auch schwer fiel und schwer war, haben viele die Unterbrechung auch als heilsam erlebt.


Ich wünsche Ihnen eine heilsame Unterbrechung durch die Adventszeit und Weihnachten: dass eine Zeit der Stille uns herausnimmt aus dem Trubel und die Seele aufatmen kann; dass die Hetze einer neuen Besinnung und Besinnlichkeit weicht und Sie empfänglich werden für das, was an Weihnachten aufgeleuchtet ist; dass Gott selber einbricht in Ihr Leben – durch ein Wort, durch ein Lied, mit seiner Kraft, die unsere Seele anrührt, so dass das Wunder der Weihnacht uns aufleuchtet und erfüllt: Gott wird Mensch – dir Mensch zugute!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine heilsame Unterbrechung durch die Adventszeit und ein frohes Christfest!

Ihr Pfarrer