In diesem Jahr richtet sich das Augenmerk der evangelischen Kirche in der Fastenzeit auf das, wovon wir genug haben, ja, was sogar im Überfluss vorhanden ist:
Der Reichtum und die Schönheit der Natur, die unzähligen Sinneseindrücke, die wir jeden Tag sehen, fühlen, hören, riechen und schmecken, alle Mitmenschen, mit denen wir zur Gemeinschaft eingeladen sind, und nicht zuletzt die 86.400 Sekunden, die wir jeden Tag geschenkt bekommen.
Ich mache mir dazu viele Gedanken über Gerechtigkeit und wann das Leben lebenswert ist:
Kennen Sie das Kapitel 20., die Verse 1-16 im Matthäusevangelium? Darin geht es um die Geschichte vom Hausherrn, der den Tag über Arbeiter für seinen Weinberg einstellt. Am Abend bezahlt der Verwalter jedem Arbeiter einen Denar, beginnend mit den zuletzt Gekommenen.
Die zuerst eingestellten Arbeiter murren, weil sie doch länger gearbeitet hatten. Der Hausherr weist sie zurecht, weil sie seine Güte nicht erkennen.
Ja, da stellt Jesus unseren Gerechtigkeitssinn sauber auf den Kopf! Ehrlich gesagt, würde ich mich da auch ungerecht behandelt fühlen, wenn ich schon morgens angefangen hätte. Aber wenn ich mir dann wieder überlege, wie viel wir in Bayern für einen Tag Arbeit bekommen und von wie viel Cent am Tag andere Menschen auskommen müssen! Wir hier in Europa leben doch wirklich im Überfluss, während Milliarden Menschen auf der ganzen Welt nicht einmal das Nötigste haben.
Ist das gerecht? „Leisten“ die weniger? Sind arme Menschen, von denen es auch bei uns viele gibt, weniger tüchtig?
Die Würde, die Gott den Menschen verleiht, ist doch unabhängig von Leistung und Verdienst.
Darum wollen wir dankbar sein - und bescheiden, denn das ist essenziell im Kampf gegen die Verschwendung von Ressourcen und deren ungleiche Verteilung.
Ich überlege mir deshalb in der kommenden Woche, wo ich - unabhängig von meiner Leistung – selbst genug bin und
- welche Auswirkungen mein Lebensstil auf andere Menschen, vor allem in armen Ländern, hat;
und wie ich mich gemeinsam mit Anderen für gerechtere Lebensbedingungen engagieren kann.
Wenn wir aufeinander achten und füreinander das sind und nicht auf den eigenen Vorteil schauen, dann haben wir den ersten Schritt in eine gerechtere und lebenswertere Welt getan.
