Im Rahmen der Aktion Klimafasten – Themen und Impulse, die uns in der Fastenzeit zum
Nachdenken anregen sollen - darf ich heute meinen persönlichen Impuls dazu geben: Glückselig.
Liebevoll. Mit allen Sinnen wahrnehmen.
Ich merke, wie schnell alles geworden ist.
Nachrichten im Minutentakt, Push-Meldungen im Internet, am Handy, im Fernsehen.
Ein Thema jagt das nächste.
Auch im Alltag geht vieles im Eiltempo.
Man reagiert, erledigt, scrollt.
Und irgendwann fällt mir auf:
Ich habe viel gesehen – aber wenig wirklich wahrgenommen.
Glückselig ist für mich kein großes Gefühl.
Es ist ein Moment, in dem ich ganz da bin.
Zum Beispiel ein Apfel.
Wenn ich ihn nebenbei esse, während ich noch eine E-Mail lese, bleibt er Mittel zum Zweck – reine
Energiezufuhr.
Wenn ich ihn bewusst esse, verändert sich etwas.
Ich sehe Farbe und Struktur der Schale.
Ich spüre: Ist sie glatt oder rau?
Beim Reinbeißen höre ich das Knacken.
Ich schmecke Frische, Saftigkeit, Süße und Säure.
Es dauert vielleicht eine Minute länger.
Aber in dieser Minute bin ich nicht mit den Gedanken woanders, sondern genau da – in diesem
Moment.
Kinder können das noch viel besser.
Sie betrachten einen Marienkäfer minutenlang.
Sie drehen einen Stein in der Hand, fühlen seine Beschaffenheit.
Und sie hören genau hin, wenn im Holunder die Spatzen tschilpen.
Für sie ist nichts nur nebensächlich.
Vielleicht liegt darin der Schlüssel.
Wenn ich achtsam werde, verlangsamt sich nicht die Welt – aber ich selbst werde ruhiger.
Und in dieser inneren Ruhe entstehen Klarheit, Verbundenheit und vielleicht auch Glückseligkeit.
Nicht danach streben, immer mehr zu erleben, sondern genauer und bewusster.
In der Fastenzeit beginne ich damit, mir jeden Tag bewusst einen solchen Moment zu nehmen.
Dazu muss ich nicht weit weg.
Vielleicht ist es genau dort – vor der eigenen Haustür.
Ich schaue mir den blühenden Haselstrauch genau an und bewundere seine winzigen, aber
leuchtend pinkfarbenen Griffel in den weiblichen Blüten.
Und im dichten Geäst des Weißdorns lausche ich einem klitzekleinen Zaunkönig, der jedoch mit
erstaunlicher Kraft singt.
Aus diesem genauen Hinsehen wächst ein geerdeter Blick auf die Schöpfung.
Und Glückseligkeit liegt darin, zu merken, dass wir ein Teil davon sind – und sich darin zeigt:
in einem rücksichtsvollen und liebevollen Umgang mit dem Leben um uns herum.
